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Reisebericht Hermannstadt, August 2003


Mein Reisebericht nach Sibiu vom Montag, den 11., bis Samstag 16. August 2003

Mein Wunsch nach Siebenbürgen zu reisen wurde erst vor einigen Wochen geboren, ich kannte Siebenbürgen bisher nur dem Namen nach und dass es da eine Verbindung mit uns gibt. Zur ersten Information habe ich mir einen Reiseführer bei Wittwer gekauft und dann war klar, dass ich in eine größere Stadt wollte, da nicht beschrieben war, wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Gegend zu erkunden war. Herrmanstadt war dann so gelegen, dass ich zumindest bei der Anfahrt einen Eindruck der Gegend erhalten konnte.

Die Heltauergasse im Sommer 2003

Ich kannte Rumänien auch aus Erzählungen von zwei Kolleginnen, die hatten mir aber bereits abgeraten dahin zu fahren. Zunächst wollte ich sehen, was Menschen auf sich nehmen, die soweit entfernt ihre Familien oder Freunde haben, deswegen habe ich mir am Bahnhof eine Busfahrkarte nach Medias gekauft bei Touring, diese hat 180 Euro gekostet.

Meine Übernachtungsmöglichkeit habe ich übers Internet gesucht und über Sibiweb freundlicherweise einige Tipps bekommen. Erfolgreich war ich im Alten-und Pflegeheim "Dr.Carll Wolff", das der Diakonie angehört. Meine Anfrage wurde freundlich zugesagt.

Der Bus fuhr pünktlich in Stuttgart los, es wurde nur noch - ich nehme an - rumänisch gesprochen und man sah, dass die Mitreisenden das öfter machen, sehr große Gepäckstücke wurden eingeladen. Die Reisenden kannten sich auch sehr gut aus, allerdings sprachen auch die Fahrer kein Deutsch mehr. Später habe ich dann immer jemand gefunden, der mir die Ansagen über die Pausenlänge übersetzt hat.

Die Fahrt mit dem Bus ist sehr anstrengend, es sind kurze Pausen und ich war froh, dass ich genügend Verpflegung eingepackt habe.

Ein Erlebnis besonderer Art sind die Grenzkontrollen, ich konnte nicht in Erfahrung bringen, warum diese Kontrollen mit soviel Wartezeiten verbunden sind. Alle tragen dieses mit unendlichem Gleichmut! Im Bus wurden vom Fahrer von jedem Gast 5 Euro eingesammelt, ich habe keine Erklärung und keine Quittung bekommen, wofür diese Zahlung ist und dann auch nicht bezahlt.

Meine ersten Eindrücke bei der Einfahrt waren bedrückend, in meinem Reiseführer stand das Banat als Kornkammer, aber es war so gut wie kein Feld bebaut! Gibt es keine Bauern oder sind die Geräte kaputt? Es machte einen traurigen Eindruck, nur einige Sonnenblumenfelder sahen so aus, wie ich es gewohnt war.

Die Weiterfahrt hat dieses Bild bestätigt, die Dörfer durch die der Bus fährt sind sicher noch bewohnt, aber strahlen Verwahrlosung und auch Armut aus, die beklemmend auf mich gewirkt hat. Dieser Eindruck hängt sicherlich auch mit der Übermüdung nach diesen langen Fahrstunden im Bus zusammen. Pferdefuhrwerke und dösende Katzen und Hunde machen dann auch wieder fast einen idyllischen Eindruck. Die Häuschen wirken durch die hohen Tore zur Straße hin etwas abgeschlossen, aber durch meinen Sitz im Doppeldecker konnte ich darüber sehen.

Der Cibinsmarkt in Hermannstadt im Sommer 2003

Der Busbahnhof in Sibiu ist in der Nähe von McDonalds und momentan von Baustellen umgeben, es staubt und ist laut, mir wurde ein Taxi von Corso oder 953 oder 942 empfohlen und dieses fand ich dann auch, den Fahrer musste ich ein bisschen überreden, weil das Altenheim ganz in der Nähe war, aber mit meinem Gepäck hatte er dann doch ein Einsehen.

Die Begrüßung und das Zimmer waren sehr freundlich, ich ging dann noch in die Stadt hoch, um mir etwas zu Essen zu besorgen.

Der Weg zur Stadt führte mich über eine Brücke (ich wohnte in der Unterstadt, jenseits des Flusses) und führte mich an einem Markt vorbei, der sehr fremdländisch wirkte. Mich erinnerten diese Szenen sehr an Märkte, die ich in Asien (Indonesien) gesehen habe, auch die Gerüche und die schlafenden Marktbudenbetreiber zwischen den Ständen. Es gab große Berge von Melonen, die hinter Drahtgestellen zum Verkauf angeboten wurden, gegenüber war ein Markt mit Gemüseständen, es gab Tomaten in Hülle und Fülle, Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel, Auberginen, Kartoffeln, Pfirsiche. Große Käseballen rundeten das Angebot ab, an den Rändern auch feste Stände mit Drogerie - Artikeln und Haushaltsgegenständen. Ich kaufte mir gesalzene Erdnüsse und schlenderte hoch zur Evangelischen Kirche. Die Treppe dahin wird gerade renoviert und ist Baustelle, aber da von oben Menschen herunterkamen, wagte ich es auch hochzugehen (wäre undenkbar bei und hier!!)

Auf dem Plaza Mare (Großer Ring) saß ich dann noch einige Zeit und habe andere Touristen besichtigt, die Geschäfte wurden gerade geschlossen und ein "Bettler" machte seine letzten Runden durch die Abfallkörbe. Der Weg zurück führte mich teils durch unerleuchtete Straßen, aber meine mitgenommene Taschenlampe leistete gute Dienste.

Türschild von "Alt Hermannstadt"

Der nächste Tag war bereits der Mittwoch, ich hatte ja nur insgesamt zwei volle Tage am Ort und den nutzte ich zu einem ausführlichen Stadtrundgang. Mein Reiseführer erschloss mir die Kirchen und Plätze und die großen Kirchen dort sind in sehr gutem Zustand. Auf dem Weg zur Unterstadt kam ich am ehemaligen Siechenhaus vorbei und da es auch heute noch ein Altenheim ist bin ich in den Hof gelaufen und stand in einer völlig ausgebeinten Kirche, deren Fenster mit Plastikplanen verkleidet waren und in der ein Holztisch als Altar diente. Der Hof war mit Pflastersteinen belegt, ich kann mir nicht vorstellen, dass das für alte und kranke Menschen geschickt ist, obwohl der Hof sonst einen sehr schönen Eindruck machte.

Ich musste an diesem Tag auch noch meine Fahrkarte umbuchen lassen und bin in das Busbüro gelaufen, dadurch konnte ich Eindrücke der "Neustadt" sammeln. Es gibt ein großes Kaufhaus und mir erschien das mit dem Geld völlig suspekt, ich glaubte einfach nicht, dass der Kurs alles so sehr billig machte. Ich habe mich ein bisschen geschämt, dass ich für 1Euro eine emaillierte Schöpfkelle kaufen konnte und auch andere Dinge mit diesem Umrechnungskurs sehr günstig zu erwerben sind. Es wurde mir klar, dass ich als Tourist für diese Menschen dort viel Geld habe, obwohl ich hier auch nur zu den "Normalverdienern" gehöre. Manchen Menschen sieht man die Armut an, sie sind nur mit Lumpen bekleidet oder haben auch sehr alte und ausgetretene Schuhe an, andere wiederum sind sehr schön hergerichtet und haben sicher Spaß die Mode mitzumachen, es ist ein sehr gemischtes Bild, das da nebeneinander existiert. (Ein unauslöschliches Bild ist z.B., dass eine Kuh am Fluss getränkt und daneben ein Auto gewaschen wird)

Für den Abend habe ich mir einen Tisch im "Sibiul Vechi" ("Alt Hermannstadt") reservieren lassen, vorher wollte ich noch zur griechisch-orthodoxen Kirchen gehen. Da konnte ich dann an einem Gottesdienst teilnehmen und es hat meinen Eindruck des Zusammenlebens von unterschiedlichen Kulturen bestätigt. Auf so engen Raum ist das einen Tatsache, die begeistert! Das Abendessen bestand aus einem Siebenbürgerteller mit einem Glas Wein, Wasser, Bratkartoffeln, Salat und zum Nachtisch gefüllte Pfannkuchen, es hat 242.000 Lei gekostet, das sind ein bisschen mehr wie 6 Euro. Dazu gab es echte Tischmusik mit Flöte und Ziehharmonika. Den Rückweg durch teilweise unerleuchtete Straße brachte ich mit großen Schritten hinter mich.

Die ev. Kirche in Hermannstadt

An meinem zweiten Tag haben mich Gespräche beim Frühstück abgehalten in einen öffentlichen Bus zu steigen, meine Suche nach einem deutschsprechenden Taxifahrer war auch erfolglos, sodass ich mich noch mal mit sehr viel Ruhe einem Stadtbummel widmen konnte. Ich spürte auch die Strapazen der Anfahrt und saß viel auf den unzähligen Bänken und habe die Fremdheit auf mich wirken lassen. Es gibt sehr gutes Gebäck, eine Art Apfelstrudel und andere süße Teilchen in der Bäckerei. Zum Abend habe ich mich dann in einen "Biergarten" begeben und die Bedienung konnte dann soviel deutsch, dass sie mir versicherte, es gäbe heute eine sehr gute Suppe. Auf diese Weise kam ich dann zu einer rumänischer Kuttelsuppe mit Schmand. Es schmeckte gut, obwohl Kutteln nicht zu meinen Leibspeisen gehört.

Am Freitag war bereits die Abreise, die Grenzerlebnisse ähneln denen bei der Hinfahrt, es wurden wieder 5 Euro von jedem Fahrgast verlangt, die ich dieses mal auch bezahlt habe, zwei deutsche Mitreisenden meinte, das sei halt das Bestechungsgeld.

Insgesamt würde ich gerne einmal länger nach Siebenbürgen reisen, die Berge in der Ferne haben mich mit großer Sehnsucht erfüllt, es gibt dort sicher Unendliches zu entdecken. Da ich kein rumänisch oder italienisch kann, habe ich mir immer wieder einen Mitreisenden gewünscht, der mir über Unsicherheiten hinweghilft. Die Anreise würde ich nicht mehr mit dem Bus machen, sondern mit dem Auto, das garantiert auch vor Ort eine gewisse Unabhängigkeit und gibt Gelegenheit, die Anreise zu unterbrechen und die Landschaften zu genießen (ich habe an einem Fluss eine Herde mit Pferden gesehen).

Vielen Dank nochmals an SibiWeb, ohne die aufmunternden Seiten und frohen Bilder hätte ich mich nicht alleine dahin gewagt.


Sabine Ringer, 24.8.03




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