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Dieter Schlesak

Die Dracula-Legende

8. Die scheußliche Praxis des Pfählens. Dracula: Chroniken und Flugschriften

Der Beitrag der Siebenbürger Sachsen zur Dracula-Legende.

Aber Stokers Buch ist ungewollt auch Spiegel des Spiegels. Der geschichtliche Betrug und die Verfälschungen beginnen schon bei der historischen Darstellung des Stoker-Vorbildes Vlad Draculea, Todes- und Blutfürst der Chroniken, die eigentlich tendenziöse Flugschriften meiner Vorfahren, der Siebenbürger Sachsen sind. Ihre haßerfüllten Berichte an den ungarischen und deutschen Hof bilden die Grundlage für die Dracula-Legende. Vlad war besser als sein Ruf. In rumänischen und russischen Chroniken ist er Patriot und Held. Die deutschen Chroniken sind Tendenzschriften, und es ist anzunehmen, daß sie auch Inspirationsquelle Stokers sind, die er im Britischen Museum las.

Am Anfang war der Handelskrieg. Vlads Land war unvorstellbar arm, Staat und Gesellschaft korrupt. Und abhängig. Der rabiate und intelligente Mann brauchte Geld, Waffen, Söldner. Sein sogenanntes "Stapelrecht" schröpfte den Transithandel der Sachsenstädte in den Fernen Osten, der über seine Donauhäfen lief. Die Krämerseelen versuchten deshalb, Vlad zu stürzen: sie unterstützten je einen feindlichen Thronprätendenten. Vlad rächte sich. Er verwüstete ihr Land. Frauen und Kinder wurden getötet, die Männer gepfählt. Ein Kaufmannszug, der das Stapelrecht nicht beachtete, wurde aufgespießt. Ein anderer in einen Saal gesperrt und lebend verbrannt.

"Es war sein Lust und gab ihm Mut,/ wenn er sah fließen Menschenblut."

So Martin Beheim, der ein großes Epos über den Blutfürsten Vlad geschrieben hat. Geschichtsschreibung beruht recht oft auf Phantasie, auf nicht nachprüfbaren Berichten von längst Toten, oft auf Fälschung, Ereignisse werden durch Sprache gelenkt, ja schließlich posthum erfunden. Wie etwa Vlads Geschichte in dem berühmten Straßurger Druck von 1500: Vlad der Pfähler speist unter den Gepfählten, vor ihm ein Henkersknecht, der Leiber zerstückelt und siedet, als äße Vlad dann diese Gekochten. Darüber die Schrift:

"Hie facht sich an gar graussamliche erschröckenliche hystorien von dem wilden Wütrich Dracole wayde. Wie er die leut gespiesst hat. vnd gepraten. und mit den häuptern in einem kessel gesoten."

Auf diesem Druck ist ein Wald von Gepfählten zu sehen, die in den unmöglichsten Körperhaltungen aufgespießt sind. Im Hintergrund wohl das siebenbürgisch-sächsische Kronstadt: der Überlieferung nach, geschah dies einsame Mahl des Grauens bei einem neuen Einfall des Pfählers in Siebenbürgen, es war eine Strafaktion.

Man muß sich vorstellen, was Pfählen heißt: Stephanus Gerlach, ein Zeitgenosse Vlads, schildert diese Folter in seinem Türkischen Tagebuch.

"... die Spieße von Holtz mit Unschlitt oder Talk ... man bindt solchen Übeltätern Sailer an die Füße, stößt ihnen den Spieß zu dem hinteren Leib hinein... Zuerst aber kniet der Delinquent mit in den Staub gedrücktem Haupte nieder, die angezogenen Oberschenkel gekreuzt; ... und die Bahn hinreichend eingefettet, der Pfahl, aber nicht angespitzt, sondern abgestumpft, ... die Organe beiseiteschiebt, und wird fünfzig bis sechzig Zentimeter in den Mastdarm eingeführt, dann mit dem Delinquenten senkrecht aufgerichtet. Und der Körper mit seiner Schwere drückt Mann oder Weib hinab, und langsam dringt der Pfahl durch den Körper, sucht den tödlichen Weg."

Es ist erst seit einigen Jahren erforscht, daß die Dracula-Legende auch zur deutschen spätmittelalterlichen Literatur gehört, und sie beruht auf diesen Pamphletschriften: "Die histori von dem posen Dracol". Es gibt 12 Drucke, der früheste stammt von 1488, er wurde bei Marcus Ayrer in Nürnberg gedruckt. Dann gab es Drucke in Colmar, Lambach, St. Gallen, Augsburg, Bamberg, mehrmals in Nürnberg.

Die überlieferten Anekdoten sind bunt, voller Grausamkeiten, sie widersprechen anderen historischen Berichten über Vlad: Behinderte und Arme werden in den deutschen Tendenzschriften von ihm zum Gastmahl eingeladen. Wieder wird der Saal mit den vielen Männern, Frauen und Kindern niedergebrannt. Dem entsetzten Gefolge erklärte Vlad, er wolle nicht, daß in seinem Land jemand arm und krank sei. Den Zigeunern erging es noch schlimmer:

"Item es komment in sin land by drie huntert Ziginer, da nahm er die besten ... und ließ sy braten, die mußten die ander Ziginer essen ..."

Geschichte war und ist blutig. Aber die (meist erfundenen) Scheußlichkeiten des Vlad Dráculea, üblich damals, sind grausame Fiktion. Dazu kam das tierische, pathologische Ergötzen des Volkes. Hinrichtungen und Folter in Buden- und Jahrmarktsatmosphäre. Es war die sadistische Phantasie nicht nur jener Zeit!

In den russischen und rumänischen Chroniken hat Vlad wohl gepfählt, jedoch nur als strenger, aber gerechter Richter wider Reiche und Korrupte zur Abschreckung, gegen die Türken als Kampfmittel. Und mit seinen "Methoden" wird die Walachei ein starker und organisierter Staat. Es gibt ein gut instruiertes Heer, das er selbst unterweist. Weil die Macht eines Fürsten im Inland schwach war, liquidierte er Ostern 1459 den Kronrat, etwa 500 Großbojaren und Kleriker ließ er samt ihren Frauen durch den Spieß ziehen. Ihre Ländereien verteilte er an Kleinadlige und freie Bauern, die ihm dafür gewogen waren, Kriegsdienste leisten mußten.

Immer in der Mühle zwischen den Großmächten – herrschte er ... gewalttätig, weil er nie mächtig war.


9. Die historische Trägödie des Fürsten Vlad Tepes

Die Dracula- Legende

Dracula im SibiWeb




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