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Dieter Schlesak

Die Dracula-Legende

6. Vlads gewaltsame Lebensgeschichte

Vater Vlad, Ritter des Drachenordens, und gewählter Fürst, fand Hilfe bei König Sigismund und beim Vetter am moldauischen Hof. Zog von Schäßburg aus bald auch in die Hauptstadt Tîrgoviste in der Walachei ein, verließ Schäßburg 1436. Schon als Kind, nach der ersten Thronbesteigung seines Vaters, begleitete Vlad, der Sohn, seinen Vater ständig, auch in den Krieg. 1444 an die türkische Pforte, wo der Alte seine beiden Söhne, Vlad und Radu (den Schönen) als Geiseln zurücklassen mußte. Hier erlebte der halbwüchsige Vlad Grauenhaftes im Kerker Egrigötz in den anatolischen Bergen. Dort folterte ihn der Gefängniswärter Gugusyoglu, ließ ihn hungern, gab ihm Menschenfleisch zu essen und Kot, dann Tierhoden, so daß er gequält wurde von Begierden, und der Aufseher zwang den Jungen, erst 14 war er damals, ihm zu Willen zu sein. Fader Gestank in der Zelle nach dieser schweißigen Gewalt. Der junge Vlad sann auf Rache. Dem Gugusyoglu sollte ein spitzer Holzpfahl vorbehalten sein. Und das regte den pubertären Vlad sehr auf.

Vlad Dracul, der Vater wurde dann vom ungarischen König Johann Hunyadi geschlagen. Der älteste Sohn, Vlads Bruder, Mircea getötet, Vater Vlad floh.

Ja, und der Geisel, dem Sohn Vlad, wurden Greuelgeschichten über den Tod seines Bruders und Vaters erzählt. Es war Rache, die Vlad zum Blutfürsten werden ließ. Vater und Bruder seien von Vladislaws Henkern gezwungen worden, ihr eigenes Grab zu schaufeln, und sie seien in Stücke geschnitten worden. Was nicht stimmt.

Der Vater entkam. Damals machten Greuelnachrichten Geschichte. Es gab ja kaum Zeitungen. Und so waren es auch Chroniken und tendenziöse Flugblätter, die Vlad den Sohn zum "argen Wüterich" und Vampir machten, der er nicht war. Also der Vater entkam. Mircea allerdings wurde tatsächlich lebendig begraben.

Acht Jahre lang war Vlad auf Wanderschaft. Reisender in Sachen Macht. Versprechungen, Taktik, Lügen. Er kannte den Hof, die türkischen Wesire, war gleichaltrig mit dem Sultan Mehmed. Er hatte viele Städte und Höfe gesehen, Rom, Stambul, Nürnberg, das Prag des Alchemistenkaisers Rudolf II. Er kannte viele Sprachen, hatte ein solides Wissen.

Hunyadi söhnte sich mit Vlad aus, die Sachsenstädte sprachen für ihn. Vlad hatte den Rücken frei, marschierte in der Walachei ein.

Aber was hat das noch mit dem Film- und Romanhelden Dracula zu tun?

Es hat. Es ist die Idee, die immer wiederkehrt, schon in Stokers Roman, in vielen Filmen, bei Curtis, Corman, Polanski, Herzog oder Coppola, daß es sich bei Dracula um eine wirkliche Fürstengestalt handelt, die 500 Jahre überlebt, um einen historischen Wiedergänger also, einen Un-Toten, der nicht leben noch sterben kann, doch ausgestattet ist mit einem ungeheueren Lebensdurst aus ungestillter Liebe eines ungelebten unfertigen Lebens.

In Coppolas Film wird Vlad durch die Liebe von Harkers Verlobter Mina erlöst. Darf endlich zu Staub zerfallen. Sie tötet ihn. Ist es nicht so, Geschichte verhindert erfülltes Leben und Liebe...

In Stokers Roman wird es betont: dem pedantischen Rechtsanwaltsgehilfen Jonathan Harker wird im verfallenen Schloß des Vampirs eine Geschichtslektion in Form einer falschen Familiengeschichte der Draculeas zuteil:

"Wir Szekeler sind mit recht stolz, denn in unseren Adern fließt das Blut manchen tapferen Volkes, das kämpfte, wie es der Löwe tut – um die Herrschaft nämlich. Hierher ... brachten die ukrainischen Stämme von Island herunter den Kampfgeist, den Thor und Wotan ihnen verliehen hatten und den ihre Krieger an den Küsten von Europa, ja, an denen von Asien und Afrika so wütend austobten, daß schließlich die Leute glaubten, es seien keine Menschen sondern Werwölfe."

Die Verballhornung ist verwirrender gar nicht möglich, ein grausiges Gemisch. So kommen dann die Hunnen vor, auf die diese "Werwölfe" stießen, auf Attila. Wahr ist, daß die Székler, nicht Szekeler wie im Roman, ein ganz normaler madjarischer Stamm, und daß die Dráculesti Walachen sind, nicht Székler, Vlad Tepes gehört in die Walachei und nicht nach Transsylvanien, wo er nur zufällig geboren wurde, weil sein Vater zeitweilig dort im Exil lebte.

Aber alle Filme plappern diese Fälschung nach. So wird etwa im Film "Dracula" (1979) von John Badham, Vlad vom Irrenarzt Dr. Seward in London gebeten, ein Buch in ungarischer Sprache zu übersetzen. Das kann der aber nicht, da er Székler sei und kein Madjar. Ein Blick ins Lexikon hätte genügt: Székler sind ein madjarischer Volksstamm. Die natürlich madjarisch sprechen. Coppola läßt Dracula mit starkem ungarischen Akzent sprechen, was völlig falsch ist. Im "Spiegel" wurde sogar von einem "unverkennbaren transsylvanischen Akzent" gesprochen.

Stokers Ignoranz wird auch heute noch weitergetrieben. Sein Gewährsmann in Sachen Transsylvanien, der Budapester Orientalist Arminius Wanderbey, der auch als Figur im Roman auftaucht, hatte Stoker sicher richtig informiert.

Stoker lernte diesen Wanderbey, der ihm Erstaunliches aus Transsylvanien berichtete, an einem Abend des Jahres 1890 kennen. Transsylvanien war schon damals ein Zauberwort, Jules Verne, aber auch James Frazers "The Golden Bough"(1890) hatten behauptet, daß in Transsylvanien/ Siebenbürgen wie in keinem anderen Land, Material für Vampire zu finden sei.

"Ich habe meinen Freund Arminius von der Budapester Universität gebeten, mir alles, was er über dessen Leben weiß, mitzuteilen, und er hat mir alle Daten zukommen lassen."

Auch Jonathan Harkers Geschichtsneugierde hält sich in Grenzen. Schon Stoker hat, ähnlich wie Jules Verne im "Karpathenschloß", wohl deshalb Transsylvanien zum Handlungsort gewählt, weil sich da ohne Realitätskontrolle wild darauflos phantasieren läßt.

Doch schon Harker wie auch der mit hineingezogene Leser, haben im Buch selbst keine Chance, die Wahrheit zu erfahren; Stoker hetzt sie von einem Schrecken zum andern, keine Realität darf die hysterische Geschichte stören, die Märchen-Spannung nehmen. Alles muß aus der Welt fallen: Aufklärung soll nicht sein. Harker entdeckt den Vampir und Wiedergänger als tagschlafenden Untoten im Sarg, also bleibt die reichhaltige Schloßbibliothek unkonsultiert; in Budapest ist´s das Nervenfieber, das den Besuch der Nationalbibliothek verhindert; in London die Blässe der ihm nahestehenden, nun mit dem Vampirvirus infizierten Frauen, Mina und Lucy, um im Britischen Museum des "Grafen" (also Vlads) Familiengeschichte zu überprüfen, durch Aufklärung dem überhitzten Schrecken beizukommen. Und in der Mythenherstellung sind die Geübtesten Dracula selbst und der Irrenarzt Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Van Helsing, Gegenspieler des Vampirs und Vampirbekämpfer. Dracula zeigt etwas von der Irrengeschichte unserer Zivilisation.


7. Das Dracula-Schloß: Gewalt und Wahnsinn, Blut, Krieg und Irrenanstalt als Spiegel unserer Zivilisation

Die Dracula- Legende

Dracula im SibiWeb




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