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Dieter Schlesak

Die Dracula-Legende

2. Das falsche Siebenbürgen in Bram Stokers Roman, in Filmen und in Reiseführern

Als der Mister Harker Ende des vorigen Jahrhunderts aus London hier ankam, war es gerade die Woche zwischen St. Georgstag und Walpurgisnacht. An diesen berüchtigten Tagen sollen, so der Volksmund, um Mitternacht alle bösen Wesen den Wanderer überfallen. Und tatsächlich, als Harker, nachdem er das "Räubersteak" in der "Goldenen Krone" verzehrt hat, mit der Postkutsche zum Paß fährt ... ist es inzwischen Nacht.

Ich fuhr ihm mit meinem Auto nach. Meine Frau war dabei. Und sie war erstaunt, eine liebliche Landschaft vorzufinden: sanfte Hügel, Almen, Schafe, verstreute Gehöfte am angeblich wilden Borgo-Paß. Ich war noch nie am Borgo-Paß gewesen, da ich mich, genau wie alle Einheimischen hier überhaupt nicht für das Gespenst interessiert hatte, als gehöre es nicht hierher. Aber wo sind wir denn überhaupt zu Hause?

Diese Bilder bei Stoker sind Ausdruck seelischer Vorgänge und vor allem tiefliegender Ängste, die in den übersinnlichen Bereich des Unheimlichen reichen, nach Freud die Gegend, wo wir eigentlich zu Hause sind.

Hier am Borgo-Paß, den es oh Wunder, auch wirklich gibt, wird Harker von einem geheimnisvollen Kutscher mit großem schwarzem Hut, der sein Gesicht verdeckt, abgeholt; aber der hartgeschnittene Mund mit überroten Lippen und scharfen elfenbeinweißen Zähnen des angeblichen Kutschers ist noch erkennbar, es ist in Wahrheit der Vampir selbst, der Harker vom Borgopaß abholt.

" ... da spürte ich einen merkwürdigen Schauder, und ein Gefühl der Einsamkeit überfiel mich..."

So Harker, als der Graf ihn in der Kutsche im Wahnsinnstempo an zerklüfteten steilen Abhängen und Abgründen vorbei ... unter schaurigem Wolfsgeheul wie im Fluge zu seinem Karpatenschloß fährt. ("Denn die Toten reiten schnell"!). Auf dieser wilden Jagd erscheinen am Wege Irrlichter.

"Dracula" aber war und ist bei den Einheimischen hier unbekannt, ein Ausländer, dazu Romanfigur, auch Vampire wurden in letzter Zeit nicht gesichtet, es sei denn von amerikanischen Hoteliers. Auch der Nationalheld Vlad Tepes Dráculea (Wlad Tsepesch Dröculea), der rumänische Iwan der Schreckliche, mit Beinamen der "Pfähler", und Stokers Dracula-Vorbild, wurde hier in den letzten Jahren von den Einheimischen ebenfalls nicht gesichtet, er ist schließlich seit 500 Jahren tot. Für Stoker und die Filme aber: Ein transsylvanischer Ahasverus, der nicht sterben kann!

Nicht nur ein irrer Untoter, auch ein Weltbekannter.

Die Filme sind Legion. Es gibt über 200, manche behaupten, es gäbe sogar über 400 Filme. Filme von Murnau, Herzog, Polanski, Warhol, Coppola gehören dazu. Und eine Literaturtradition, wie keine zweite, auch in Deutschland. Von Goethes "Braut von Korinth", Novalis, dann Heine bis zu Stefan George und Johannes Bobrowski. Vom Griechen Phlegon bis zu Gogol oder Tolstoj, von Byron bis Ingeborg Bachmann: nachhaltig hat der Vampirismus in der Kunst, in Kirche und Wissenschaft mit "vitalen Menschenleichen" und "aufhockenden Toten" die Gemüter beschäftigt. Von den vielen Gespenstergeschichten, die oft "jenseitige" Liebesgeschichten sind, ganz zu schweigen; es sind die unlösbaren Geheimnisse zwischen Liebe und Tod!

In den Filmen kommt, mehr als im Roman, noch eine Art Reinkarnationsspektakel hinzu, Dracula ist letztlich eine Wiedergeburtsgeschichte, eng ans Grauen der realen Historie gebunden! Um nur ein Beispiel zu geben - hier den Dan Curtis-Film "Dracula" von 1972:

Über dem Sarg - ein Riesengemälde mit dem Schild: Vlad Tepes, Prince of Wallachia 1475: Vlad in roter Kampfmontur. Und neben ihm Maria, die geliebte Frau und Fürstin; in einer Rückblende umarmen und küssen sie sich leidenschaftlich. Sie stirbt. Vlad kann ihren Tod nicht vergessen. Er leidet. Neben dem Gemälde wieder ein Kamera-Auge über dem Sarg: das Foto einer Frau in England, Carfax Estate, London, haargenau das Gesicht der toten Maria auf dem zeitgenössischen Foto, sie ist wiedergekehrt. Der Graf kauft ein Haus neben Carfax. Die Wiedergekehrte heißt nun Lucy Westenra, sie hat alles vergessen. Nur: sie schlafwandelt, fühlt sich schwach und hat Alpträume.

"Etwas Dunkles legt sich um mich. Etwas Süßes, das auch bitter ist."

Nachts besucht er Mina, als wäre sie seine tote Frau Maria. Er saugt ihr Blut. Infiziert sie. Sie stirbt. Ein Vampirologe, Prof. Van Helsing treibt ihr einen Pfahl durchs Herz. Als Vlad sie besucht, "Maria komm," flüstert, sieht er das Totenbett Marias aus dem Längstvergangenen vor sich, und stellt ihren endgültigen Tod fest, rast, zerstört die Gruft. Wieder zu Hause in Siebenbürgen, wird sein Hiersein wie ein Irrtum vernichtet: gleißendes Sonnenlicht, das jedes Gespenst zu Nichts zerfallen läßt, löst auch ihn auf. Das Kamera-Auge dringt wieder ins Kolossalgemälde ein. Rückkehr. Nichts, nichts ist vergangen. Schlachtengeräusche. Vlad und Maria sind wieder da, als wäre die Zukunft nur ein Alptraum gewesen, die real lebendigen Tage sind da: Zeit steht still.

Und die Touristen suchen nun hier oben auch, als wäre es wahr, den Nichtexistenten wirklich, also ein echtes Phantom, sie suchen in der ganzen Gegend das Schloß oder zumindest eine Ruine, samt Wolfsgeheul. Vergeblich. Da erbarmt sich ihrer nun vielleicht eine amerikanische Hotelkette, die hat vor, mit Wolfsgeheul vom Tonband die Gegend dem Vampirroman tongerecht anzupassen. Am Paß ein einträgliches Graf-Dracula-Schloßhotel samt Restaurant der Luxusklasse mit großem Parkplatz ist geplant.

Nun ja, das einzige, was die meisten Westeuropäer und Amerikaner von Transsylvanien wissen, ist ja, daß es die Heimat Draculas ist.

Und die Schauergeschichten werden zu Fertigteilen der Kulturindustrie und der Werbung: Stereotypen, die an alte Ahnungen appellieren, um neue Lüste zu verkaufen. Kleine Plastikdraculas im Kaufhaus für Kinder.

Es gibt sogar ganz reale Reiseführer, die den Wahnsinn mit Methode und harter Währung betreiben, einer, ein englischer, reich illustrierter Reiseführer (gedruckt in Hongkong), ein wahres Kunstwerk, sei hier hervorgehoben: "The Tourist´s guide to TRANSSYLVANIA" – Transsylvania in Blockschrift! Eine mittelalterliche Karte im Hintergrund, darüber die Maske mit dem Draculadarsteller Christopher Lee, aufgerissene Augen, Wildschweinzähne, Blut. Auf dem Titelblatt das gleiche, dazu noch vier weiße Hunde, die im fahlen Licht des Mondes aus der Erde steigen. In der Einleitung heißt es, die Bewohner des Landes seien Nachkommen der Ostgoten, Petschinegen, Gepiden, Magyaren, ihr Aussehen erinnere an Tiere und Figuren von Bosch. In den Karpaten hausen noch Harpyen und Wolfsmenschen. In der Ortschaft Vatra-Jiu steigen Strigoi (Gespenster) aus den Gräbern, mit Grabsteinen auf den Köpfen. Das "Orakel vom Berg Albac." – Hier reden und prophezeihen noch die Waldgeister dem geneigten Besucher. Ein spektakulärer Kitsch, wie man ihn billiger und geschmackloser nicht erfinden kann; aber, wie gesagt, ganz reell: ein Reiseführer.


3. Ursache der Faszination: Sex und Tod. Das Unheimliche

Die Dracula- Legende

Dracula im SibiWeb




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