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Sächsische Hochzeit im "alten" Siebenbürgen

Interessantes rund um´s Heiraten bei den Siebenbürger Sachsen

Sobald ein Mädchen konfirmiert wurde, noch ehe sie "1000 Wochen alt geworden", dachte man daran, sie zu versorgen, denn:

´S ist eine Waar´,
gib sie dar,
je länger man sie hält,
je weniger sie gefällt.

Dabei beruhigte die Eltern und Tochter das zuversichtliche Sprichwort, daß "jeder Sack sein Bändchen", "jedes Töpfchen sein Deckelchen finden wird".

Die Ehe war in alter Zeit ein Kauf und bis heute ist unter den Siebenbürger Sachsen auf dem Lande der Ausdruck "kaufen" für heiraten üblich und mancherorts wird wie beim Kauf noch der "Almesch" getrunken. So forderte Honterus im Reformationsbüchlein (1547): "Auf das auch niemand zwo lebendige haußfrawen geben werden, oder zu verbotner ehe greif, soll kein ehelich kaufen geschehen, allein man hab sie vorhyn beide mit iren namen offemberlich außgerufen."

Den Brautwerber und den zukünftigen Schwiegersohn empfing der Hausvater am Familientisch sitztend und hörte die Werbung an. Eine solch ist uns aus Nadesch aus dem 17. Jahrhundert bekannt: "Da hielt ich im Namen des Freyers bey den Eltern, Freunden und auch der Dirne selbst an, umb ein gut Beschiedt, ja oder nein; aber der Vatter gab uns diese Antwort: wir solten uns ein wenig gedulden, er wolte uns ein guttes Beschiedt geben. Auf solches behielt er uns zum essen da, und als man zu Tisch gehen solt, hielt ich abermal umb ein gewisses Beschiedt an, aber sie wolten keine Antwort geben, biß wir nicht gegessen hatten. Da wolt ich länger nicht abstehen, sondern begehret, sie solten uns etwas gewisses sagen, zu was wir uns gehalten solten. [...] Der Vater, Mutter und Bruder billigten die Werbung und gaben uns allen vier die Hände drüber.

Darnach rief man auch die Dirn hinein, und ich sagte selbst zu ihr: No, liebes Kind, sihe ihn eben an, ob du ihn lieben kanst oder nicht, denn wo du ihn nicht würdest können lieben, wer es besser es würde sich jetzt zerschlagen, denn es ist nicht heut genommen und morgen gelassen, sondern der Todt wirdt euch darnach scheiden. Und der Werber redet auch darzu, sie solte sich woll bedenken. Da gab die Jungfer diese Antwort von ihr: Ich will das nicht umdrehen, was mein Vater und Mutter gemacht haben, sondern will auch dabei stehen, und gab mir und auch dem Breutigam die Handt darüber; über das gab ihr der Breutigam ein Ring zum Zeichen der Verlöbnuß, in Gegenwart unser aller, welchen sie auch von ihm empfinge; und trunken darnach einen Gruß oder Becher Wein darüber zur Bekräftigung."


Siebenbürgisch-Sächsisches Paar

Wie das Wetter beim Ringwechsel, so soll das zukünftige Leben des Brautpaares sein: Sturm deutet auf Trennung durch Scheidung oder Tod.

Ist die Braut "vertrunken" folgt die Verlobungsfeier. Dann werden die Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, die man möglichst bald zu feiern gedenkt, denn "langer Brautstand, kurzes Eheglück". Allerdings durfte keine Hochzeit zwischen Ostern und Pfingsten stattfinden, da sie sonst nicht Glück bringt.

Nun laden die beiden Mütter oder der "Biderknecht" die Gäste zum fest ein, das fast überall am Mittwoch gefeiert wurde. Die Vorbereitungen dazu begannen in der vorhergehenden Woche schon am Montag in aller Frühe, wenn die Burschen in den Wald um das Hochzeitsholz fuhren.

Am nächsten Tag eilten die Frauen mit großen Schellen durch die Dorfgassen; die Frauen der "Gegenpart" wurden geweckt, um beim Backen zu helfen. Erhielten sie nicht den erwarteten Trunk, so wurde unter fürchterlichem Spektakel das Lied angestimmt:

Wach auf mein Herz und schlinge
Ein Glas von Branntwein,
Mach´ es nur gut süße,
Das es hinein fließe.

Am folgenden Tag wurde feineres Gebäck (Hanklich, Stritzel) gebacken und Geflügel und Schweine geschlachtet, die dann im großen "Hochzeitsdäpen" gargekocht wurden.

Besonders hoch schlugen die Wogen der Frauen am Polterabend. Da half kein Bitten - die Braut war verschwunden. Im Brauthaus entgegnete man dem Bräutigam "Ihr könnt kommen, es ist hier keine Braut!" Nun suchte der Bräutigam zur Belustigung der Anwesenden unter dem Tisch, hinter dem Ofen und sogar im leeren Krautfaß.

Am Hochzeitstag erscheint früh am Morgen im Brauthaus ein Bursche, der die Morgengaben des Bräutigam übergibt. Es sind in der Regel ein paar Schuhe mit "Kreiselröhren", in denen die Braut getraut wird, ferner Taschentücher, Bänder, eine Haube, Äpfel und Nüsse. In einigen Dörfern hatte sich die eine "Partei" rechts vom Eingang, die anderen links im Hof aufgestellt, um sich gegenseitig in die Freundschaft aufzunehmen. Von jeder Seite tritt eine Frau vor; die aus der Familie des Bräutigams hält in einem Tuch ein Paar neue Schuhe verdeckt, in einem anderen einen alten Schuh, während die Frau der Bratpartei für den Bräutigam ein Hemd und eine Schürze verhüllt überreicht. Beide Parteien bieten nun einen Tauschhandel an. Die eine preist ihre schönen schwarzen Rosse (die Schuhe), die der Farbe wegen weit gesucht und gerühmt sind, die anderen die weißen Rosse (Hemd und Schürze), "denn diese tragen goldene Ketten". Nach langem Hin-- und Herhandeln und zur allgemeinen Belustigung erlost jede Partei das unbrauchbare Geschenk, die Bräutigamsfrau die Schürze, die Braufrau den alten Schuh. Doch Ende gut, alles gut, der Bräutigam geht im neuen Hemd, die Braut in den neuen Schuhen zum Altar. Weitere Belustigungen folgen. So findet der Brautzug das Tor des Hochzeitshauses verschlossen. Die Freunde der Braut verteidigen das Tor mit langen Ruten. Die Freunde des Bräutigam beginnen ebenfalls mit langen Ruten den Angriff und dringen gewaltsam in den Hof ein. Der Kampf endet mit dem Sieg des Bräutigams, doch bleiben noch zwei Frauen als Wachposten. Die eine wäscht jeden Eintretenden mit Wasser, die andere reibt ihn mit einem Handtuch ab. Dafür wird ein "Eintrittszoll" entrichtet.

Nach der Trauung wird im Hof ein Tisch aufgestellt, auf dem man dem jungen Ehepaar "gowt", die Hochzeitsgaben überreicht. Auch hier treiben die Burschen ihren Scherz und "gowen" ein Feld mitten im Bach und einen schönen Weingarten auf dem Turmdach. Nach dem "gowen" trägt der junge Ehemann seine Frau auf den Armen über die Türschwelle in das Haus.

Es folgt das Hochzeitsmahl, bei dem jede Familie zeigt, was sie sich leisten kann. Und dies geschieht durch Genüsse aus Küche und Keller, die vor allem die männlichen Hochzeitsgäste befriedigen. Üppigkeit des Hochzeitsessens ist sprichwörtlich geworden: "Wuert bäs te dich frängderst, derno bekist te uch Tort", vertröstet man in der Stadt das um Backwerk bettelnde Kind, und "brewlen" (hochzeiten) ist die Bezeichnung für ein üppiges Mahl überhaupt geworden.

Die Hochzeitsfreuden fanden mit dem "Ausschuhen" der Jungfrau durch die Brautknechte und mit dem "Bortenabtanzen" einen vorläufigen Abschluß. Die Frauen schlossen einen Kreis, nahmen die Braut in die Mitte, wirbelten sie herum, bis ihr der Borten vom Kopf rissen. Weinend lief sie davon, die Frauen folgten ihr und stimmten das Lied an: "Der Stand, in den ich trete"

Der zweite Hochzeitstag, der "Jungfrauentag", war eigentlich nur eine Fortsetzung der Lustbarkeiten des Hochzeitsmahles: Essen; Trinken und Tanzen. Am Jungfrauentag erschienen in einigen Orten die ganze Hochzeitsgesellschaft beim Frühstück auf "Krautsuppenweichbrot" (Gechwichpert mät Wurst gesattelt).

Wer am Jungfrauentag in Alzen zuerst ins Hochzeitshaus trat, nahm die Musikanten und einen Besen, um die "Gäste zusammenzukehren". Nach dem Frühstück kamen die Frauen mit Rosmarin, Wasser und einem reinen Tuch, um die Männer zu waschen. Während des Waschens erläuterten sie:

Mer sellen ich e kiejt weschen,
Dad er besser kennt essen.

Oft hält eine Frau ein berußtes Tuch versteckt und streicht mit diesem rasch über das Gesicht eines frisch gewaschenen Mannes, der, so geschwärzt, ausgelacht wird.

Nun erscheint auch die junge Frau, sie trägt zu ersten Mal ihren Ehrenschmuck, das "Gebockelsel", mit dem die Mutter sie mit Hilfe älterer Freundinnen schmückte. Die "geschloderte" (geschleierte) junge Frau wird in Keisd mit zwei anderen Frauen hinter einen Vorhang gestellt und der Ehemann hat nun seine Frau zu suchen. Dabei wird er oft irre geleitet. Erkennt er sie nicht, wird er ausgelacht und muß zur strafe den Frauen einen Eimer Wein zahlen. Gegen Mittag geht die "geschoderte" Frau in die Kirche, wo sie "eingeleitet" wird. Danach folgen noch allerlei Belustigungen, Tanz und Vermummung. So nehmen die Frauen abends beim Bartscheren Ziegeln statt Seife, einen Wacholderzweig statt des Pinsels, einen abgenagten Knochen an Stelle des Rasiermessers und rasierten den männlichen Hochzeitsgästen den Bart ab, wofür sie von jedem einige Kreuzer erhalten. Diese werden acht Tage später verjubelt.

In Rode wird am Jungfrauentag Hab und Gut der jungen Frauen aus deren Vaterhaus abgeholt (de Trun owhuelen). Die junge Frau fährt ins Elternhaus vom Zuge des jungen Mannes begleitet. Vor dem Hause angelangt, bleibt sie auf dem Wagen sitzen, während der Mann hineingeht und die Truhe fordert. Diese wird zur Braut auf dem Wagen geladen. Bei ihrer Fahrt durchs Dorf werden der jungen Frau noch allerlei Haus- und Wirtschaftsgegenstände auf den Wagen gelegt.

Erst am dritten Tag gingen die Belustigungen zu Ende. Die Gäste versammelten sich zum "Übriggebliebenen". Die Köchinnen saßen jetzt an der Ehrentafel. Während man das "Knowlenglawent" verzehrte, wurden die junge Bäuerin in dem sechspännigen Wagen, geleitet von Vermummten und nochmals mit Musik durch die Gassen geführt. Im Namen der Gäste verabschiedete sich schließlich der Brautknecht vom Ehepaar.

In der Stadt mußte man die Hochzeit in der Kanzlei des Bürgermeisters vorher anmelden. Hier erhielt der Hochzeitsvater einen Zettel, der die Anzahl der standesgemäß erlaubten Gäste und die Ausgaben genau festsetzte. Bei Hochzeiten von Handwerkern sollten nach einer Bestimmung des Hermannstädter Rats aus dem Jahre 1685 nur Kraut mit Fleisch, "ein Gebrädt, zwei anderen gekochten Speisen, Reis und Käsebrodt", sowie ein Achtel Wein serviert werden. Die Schäßburger "Artikel" führen diesbezüglich eine noch klarere Sprache. Es solle alles vermieden werden, "was das Essen über Gebühr verzögere, sondern Schlag zehn Uhr soll der Hochzeitsvater das Kraut auf den Tisch setzten lassen bei Strafe von zehn Gulden, wer da, sei werde essen, der Abwesende komme dahinter". Besonders eiferten die Behörden gegen das von Handwerkern gekaufte Backwerk. Bei Hochzeiten von Handwerkern durfte man nur Striezel, "Hanklich" und Faschingskrapfen verzehren.

Dann ließ der Hermannstädter Rat wissen, das der Tanz um acht Uhr aufbrechen müsse, und die Musikanten, "welche länger aufwarten",müssen fünf Gulden Strafe zahlen. Für die Sträuße durften nur "hiesige Blumen verwendet werden: "In specia sei der Rosmarin gewährt" und die "künstlichen, seidenen und Drahtblumen dürfen nicht gebraucht, auch vergoldet darf nicht werden".

Eine Kommission kontrollierte die genaue Einhaltung dieser Verfügung im Hochzeitshaus und verhängte im gegebenen falle Strafen. Wer die nötigen Mittel besaß, bezahlte sie und feierte die Feste wie es ihm beliebt. So bewirtete zum Beispiel der Komes Albert Huet die Hochzeitsgäste an fünfzig Tischen. Doch blättern wir in seinem Tagebuch: "Man hat den ersten Tag an fünfzig Tischen gekocht, die Geste sein in sechs Häusern gesessen. Allhier zu mir, sein gesessen die Braut mit den Frawen und Jungfrawen, zum Königsrichter die Herrn Gesandten und der ganze Rath, zum Bierkoch die Kroner und Andere. Zum Hannes Weidner die Priesterschaft und die Hannen und Richter von den Dörfern, zum Georg Hecht die Stadtleut, zum Veit Roth etliche Pauern, zum Hans Fritschen sein die Walachen gesessen.

Das ganze Kapitel (Die Geistlichen des Kirchenbezirks) ist auch erschienen mit einem schönen weißen Teppich, dazu sonsten sind viel schöne Teppich und silberne Löffel auch Faß Wein, Wildpret und dergleichen verehrt worden. Am Montag ist ein Ringenrennen gehalten worden, die Kleinoter (Preise) sein gewest ein Teppich, drei silberne Löffel, den anderen Löffel gewannen des Simon Goltschmit sein Sohn von Kron, den dritten Löffel gewann jung Tartler von Kron, Peter Ludwig meiner Frau Patt ritt mit zum Ring, machet uns alle fröhlich, bracht vier Spieß."

Welche Mengen bei solchen Festen verzehrt wurden, geht aus dem Hausbuch des Mühlbacher Stadtpfarrers Mathias Victor (Bedner) hervor: "Anno 1678 den 25. Februar habe ich meiner Tochter Susanna Hochzeit gemacht und ausgegeben: vier Kälber zu 2 Floren (Gulden), zwei Ochsen zu je vier Floren usw. ..207 Floren." Zu dieser Zeit zahlte man bloß 300 Floren für das ansehnlichste Haus in Mühlbach.

Da galt keine Hochzeitsordnung mehr.


Aus dem Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatbuch von Carl Göllner




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